Technologietrends 2026

Tech Trends 2026

7 Technologie Trends, die die Zukunft der IT gestalten werden

Technology trends 2026

Was treibt die nächste Welle technologischer Innovationen?

Das Jahr 2025 hat zwei Dinge unmissverständlich gezeigt. Erstens: Künstliche Intelligenz, insbesondere Generative KI, ist in Unternehmen angekommen. Die meisten großen Organisationen investieren inzwischen aktiv in entsprechende Lösungen, während Anbieter massiv in Infrastruktur ausbauen, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Zweitens: Mit dieser Entwicklung hat sich auch die Angriffsfläche vergrößert. Mehrere Vorfälle im vergangenen Jahr haben deutlich gemacht, wie leicht Angreifer über SaaS-Anwendungen und Partnernetzwerke vordringen können, wenn grundlegende Sicherheitsmaßnahmen nicht konsequent umgesetzt sind.

Die zentralen Technologietrends für 2026 drehen sich daher nicht um das nächste kurzfristige Innovationsthema. Im Fokus steht vielmehr die Fähigkeit, bereits etablierte Technologien unternehmensweit wirksam einzusetzen. Dazu zählen eine klar gesteuerte Nutzung von KI, Generative KI, die fest in operative Prozesse integriert ist, Cybersicherheitsansätze, die reale Schwachstellen schließen, messbar umgesetzte nachhaltige Technologien sowie die Vorbereitung auf Vertrauensmodelle in hybriden und Multi-Cloud-Umgebungen. Hinzu kommt die frühzeitige Auseinandersetzung mit Post-Quantum-Sicherheit.

Wir geben einen Blick hinter die Kulissen jener Technologien, die das Jahr 2026 prägen werden, und zeigen, wie sie schon heute die Prioritäten von CIOs und digitalen Entscheidungsträgern weltweit neu ordnen.

Entdecken Sie die 7 Trends
und die zentralen Handlungsfelder für 2026

Trend #1

KI-gestütztes Unternehmen
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Trend #2

Generative KI im großen Maßstab
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Trend #3

Cybersicherheit über den Kern hinaus
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Trend #4

Nachhaltige IT by Design
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Trend #5

Regionalisierte IT
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Trend #6

KI-fähige Infrastrukturen und Cloud-Plattformen
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Trend #7

Vorbereitung auf das Post-Quanten-Zeitalter
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Tech-Trend #1
KI-gestütztes Unternehmen

Es überrascht nicht, dass Künstliche Intelligenz auch 2026 die geschäftlichen Diskussionen dominieren wird. Unsere Global AI Survey 2025 zeigt jedoch ein Paradox, das viele Unternehmen aus eigener Erfahrung kennen: 70 % geben an, dass KI bereits eine strategische Priorität ist. Gleichzeitig verfügt fast die Hälfte über keinen konsistenten Ansatz, um ihren geschäftlichen Mehrwert zu messen, und Risiken bleiben ein zentrales Hindernis für die Skalierung. Die Modelle selbst sind längst nicht mehr der Engpass. Wenn Initiativen ins Stocken geraten, liegen die Ursachen meist in unzureichender Datenqualität, fehlender Governance oder mangelnder Integration.

Parallel dazu steigen die Erwartungen deutlich. Auf Vorstandsebene wird zunehmend gefordert, dass KI ihren Beitrag klar in der Gewinn- und Verlustrechnung zeigt. In einzelnen Geschäftsbereichen werden inzwischen Anwendungsfälle geprüft, bei denen Fehler schlicht nicht akzeptabel sind. In diesem Umfeld reicht es nicht mehr aus, KI punktuell und ohne klare Priorisierung einzusetzen.

Die eigentliche Agenda für 2026 besteht darin, KI als unternehmensweite Fähigkeit zu etablieren. Entscheidend ist, sich auf wenige, wirklich geschäftskritische Use Cases zu konzentrieren, die Verantwortlichkeiten klar auszurichten und KI fest in den Arbeitsalltag zu integrieren.

 
 
 

Trend #1: KI-gestütztes Unternehmen

Unternehmensfokus 2026

Viele Organisationen haben in den vergangenen 18 Monaten nahezu alles getestet: Copiloten in Produktivitätstools, GenAI-Funktionen in CRM- oder ERP-Systemen, Assistenzlösungen im Kundenservice oder kleinere Automatisierungspiloten. Einige davon verbessern Prozesse tatsächlich spürbar. Andere überzeugen vor allem in Demos, erweisen sich in der Praxis jedoch als schwer abzusichern, kostenintensiv im Betrieb oder wenig intuitiv für Anwender.

2026 ist der Zeitpunkt, um von einer technologiegetriebenen zu einer prozessgetriebenen KI-Nutzung überzugehen. Ein pragmatischer Ansatz besteht darin, von wenigen geschäftskritischen Prozessen auszugehen, Engpässe im Arbeitsablauf zu identifizieren und die passenden Optionen zu vergleichen: Analytics, Automatisierung, „klassische“ KI, Generative KI oder agentenbasierte Ansätze. In vielen Fällen ist eine Kombination mehrerer Technologien sinnvoller als ein einzelnes vermeintliches „Hero-Modell“.

Fortgeschrittene Unternehmen werden bei ein oder zwei zentralen End-to-End-Journeys noch weiter gehen und diese konsequent nach einer AI-first-Logik neu gestalten, mit klarer Unterstützung durch das Executive Committee. Parallel dazu stehen CIOs vor zwei strukturellen Weichenstellungen: stärker auf KI-Funktionen setzen, die direkt in große Plattformen integriert sind, oder in eine neutrale KI-Schicht investieren, die über alle Daten und Systeme hinweg wirkt. Gleichzeitig zeichnet sich bereits ein Wandel ab: weg von dem Ansatz „ein großes LLM für alle Anwendungsfälle“ hin zu kleineren, spezialisierteren Modellen, wo dies ausreichend ist.

Die Priorität für 2026 lässt sich einfach formulieren, ist in der Umsetzung jedoch anspruchsvoll: eine klar definierte Shortlist von KI-Use-Cases mit eindeutigem Business-Nutzen, realistischen Datenanforderungen und einem nachvollziehbaren wirtschaftlichen Modell zu pflegen – und alle anderen konsequent zurückzufahren. Werfen wir nun einen Blick auf unsere sieben Technologietrends für 2026.

Was wir in der Praxis beobachten, ist eindeutig: Die Erwartungen an KI steigen weiter, doch die Reifeunterschiede sind nach wie vor enorm. Ohne saubere Daten, eine solide Integration und klare Governance lässt sich keine Initiative nachhaltig skalieren.

Ghislain De Pierrefeu – Partner, Artificial Intelligence & Data

Neugierig, wie Ihre KI-Reise im Vergleich zu anderen Unternehmen aussieht?

Tech-Trend #2
Generative KI im großen Maßstab

Die experimentelle Phase der Generativen KI war geprägt von großen, universell einsetzbaren Modellen, die über Chat-Oberflächen zugänglich gemacht wurden. Diese Phase hatte ihren Nutzen: Sie hat Aufmerksamkeit geschaffen und gezeigt, dass Sprachmodelle Menschen konkret dabei unterstützen können, ihre Arbeit effizienter zu erledigen.

2026 verschiebt sich die Fragestellung jedoch deutlich. Es geht nun darum, wie Generative KI nachhaltig im Unternehmen verankert werden kann. Unternehmen müssen entscheiden, ob sie auf KI-Funktionen setzen, die direkt in SaaS-Lösungen integriert sind, auf neutrale Plattformen, die sie selbst kontrollieren, oder auf eine Kombination aus beidem. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie weit man mit agentenbasierten Ansätzen gehen will, die aktiv in Systeme eingreifen.

Dabei bewegen sich Organisationen in einem Spannungsfeld zwischen „KI für das Business“ und „KI für alle“. Generative KI kann gezielt Engpässe in einzelnen Prozessen lösen. Gleichzeitig vergleichen Mitarbeitende jedes interne Tool mit den leistungsfähigen Anwendungen, die sie privat nutzen, und legen Lösungen schnell wieder beiseite, wenn sie als langsam, eingeschränkt oder umständlich wahrgenommen werden.

Dieser Trend beschreibt genau diese Phase der Konsolidierung. 2026 ist das Jahr, in dem Unternehmen eine begrenzte Anzahl bewährter GenAI-Muster auswählen und konsequent in den industriellen Maßstab überführen.

Trend #2: Generative KI im großen Maßstab

Unternehmensfokus 2026

Im Jahr 2025 sind viele Unternehmen dem Hype rund um agentenbasierte KI erlegen und haben eine Vielzahl von Proof-of-Concepts gestartet. Getrieben wurden sie dabei vom Versprechen weitgehender Automatisierung und von der Sorge, den Anschluss zu verlieren. Unsere Global AI Survey 2025 zeigt, dass nur noch 3 % der Unternehmen bislang nicht mit KI-Agenten experimentiert haben. Die meisten sind bereits über einfache Chatbots hinausgegangen. Agenten positionieren sich zunehmend zwischen Nutzern und Systemen – mit spürbaren Auswirkungen darauf, wie Arbeit organisiert wird.

2026 wird jedoch nicht das Jahr sein, in dem Agenten ganze Geschäftsprozesse End-to-End steuern. Es ist vielmehr das Jahr, in dem Unternehmen festlegen, wo ihr Einsatz sinnvoll ist und wie die Kontrolle gewahrt bleibt. Ein pragmatischer Ansatz besteht darin, sich auf wenige Domänen zu konzentrieren, in denen der Nutzen klar und das Risiko beherrschbar ist, etwa IT Operations, Sales Operations oder Support, und dort kontrollierte Agenten einzusetzen. Ziel ist weniger maximale Automatisierung als vielmehr ein Belastungstest für Richtlinien, Protokollierung, Eskalationsmechanismen und Wiederanlaufpläne.

Gleichzeitig überbieten sich Anbieter mit dem Versprechen einer eigenen „Enterprise Agent Platform“. Einen endgültigen Gewinner wird man in diesem Jahr nicht auswählen. Sehr wohl aber lassen sich die Optionen eingrenzen. 2026 sollte genutzt werden, um Plattformen unter realen Bedingungen zu vergleichen: Wie gut lassen sie sich in Identitäts- und Datenlandschaften integrieren? Wie transparent sind Aktionen und Logs? Und wie einfach wäre ein späterer Ausstieg? Der Markt rechnet mit einem deutlichen Hochlauf von KI-Agenten ab 2027–2028. Die Unternehmen, die dann bereit sein werden, sind jene, die 2026 konsequent als Vorbereitungsphase nutzen.

Bisher war der Aufwand vergleichsweise überschaubar: Testen, Prototyping und eine Umsetzung in kleinem Maßstab. Der nächste Schritt ist deutlich anspruchsvoller – KI im Kern der Strategie, der Geschäftsbereiche und der täglichen Entscheidungsfindung zu verankern.

Julien Floch – Associate Partner, Artificial Intelligence & Data

Tech-Trend #3
Cybersicherheit über den Kern hinaus

Bekannte Lücken konsequent schließen

Der CERT-Wavestone-Report 2025 macht eines sehr deutlich: Die meisten Sicherheitsvorfälle beginnen nicht mit hochkomplexen Exploits, sondern mit alltäglichen Schwachstellen. Dazu zählen nicht ausreichend gehärtete SaaS-Umgebungen, zu großzügig gewährte Remote-Zugriffe oder Zugangsdaten, die sich vergleichsweise leicht kompromittieren lassen. Sehr häufig erfolgt der Einstieg des Angreifers dabei nicht über das zentrale Informationssystem, sondern über eine Tochtergesellschaft oder einen Partner. Mit anderen Worten: Die Angriffsfläche hat sich an die Ränder verlagert, während die Abwehrmechanismen weiterhin rund um das Zentrum organisiert sind.

2026 sollte daher im Zeichen stehen, diese exponierten Zonen gezielt zu schließen, KI dort einzusetzen, wo sie den Schutz wirksam beschleunigen kann, und sicherzustellen, dass neue KI-Initiativen aus den Fachbereichen nicht erneut blinde Flecken entstehen lassen.

 
 
 

Trend #3: Cybersicherheit über den Kern hinaus

Unternehmensfokus 2026

Die Auswertung von Sicherheitsvorfällen zeigt zwei zusammenlaufende Entwicklungen: Angreifer zielen zunehmend auf Daten ab – Geschäftsdaten, CRM-Informationen oder Dateien in Kollaborationstools – und zugleich verkürzt sich das Zeitfenster für Erkennung und Eindämmung. Genau hier kann KI auf der Seite der Verteidigung ihren Mehrwert entfalten. Nicht, um bestehende Klassifizierungsrichtlinien zu ersetzen, sondern um Engpässe aufzulösen und den Teams zu ermöglichen, zuerst das zu schützen, was wirklich kritisch ist.

Konkret bedeutet das, KI einzusetzen, um sensible Informationen vorzuselektieren und sichtbar zu machen, statt Mitarbeitende zu zwingen, sämtliche Inhalte manuell zu kennzeichnen. Die menschliche Expertise kann sich dann auf jene Kontrollen konzentrieren, die das Risiko tatsächlich reduzieren. Dazu gehört auch, Kollaborations- und SaaS-Umgebungen mit der gleichen Aufmerksamkeit zu behandeln wie klassische „Crown Jewels“, denn ein großer Teil der exponierten Daten befindet sich heute genau dort.

Für die Fachbereiche gilt dabei ein einfaches Prinzip: Die Regeln müssen kurz und konkret genug sein, um im Arbeitsalltag befolgt zu werden. Lange und komplexe Richtwerke halten der Realität täglicher Arbeit selten stand.

Angreifer haben ihre Ziele längst über klassische IT-Infrastrukturen hinaus verlagert.
Sie nehmen heute Drittanbieter, Cloud-Workloads, Entwicklungs- und Deployment-Pipelines, IAM-Systeme ins Visier – ebenso HR-Prozesse und sogar KI-Modelle.

Noëmie Honore – Associate Partner, Cybersecurity
Noemie Honore

Tech-Trend #4
Nachhaltige IT by Design

Im Jahr 2026 beginnen die fortschrittlichsten Unternehmen, finanzielle und nicht-finanzielle Leistung mit derselben Disziplin zu steuern. Die IT steht im Zentrum dieses Wandels. Unser CSR-Barometer 2025 zeigt, dass nahezu 80 Prozent der Organisationen der Nachhaltigkeit inzwischen eine deutlich größere Rolle in der Corporate Governance beimessen. Damit gewinnen Datenqualität, Architektur und Werkzeuge für Klima- und Sozialziele die gleiche Bedeutung wie für Umsatz und Wachstum – und genau hier kommt Ihren IT-Teams eine zentrale Verantwortung zu.

Für CIOs und Tech-Verantwortliche ergibt sich daraus eine doppelte Aufgabe. Einerseits gilt es, den ökologischen Fußabdruck der IT-Infrastrukturen im Griff zu behalten – von Rechenzentren über Cloud- und KI-Workloads bis hin zu Endgeräten. Andererseits müssen Daten und Plattformen bereitgestellt werden, die eine ebenso belastbare Steuerung der außerfinanziellen Leistung ermöglichen wie der finanziellen. Die Agenda für 2026 besteht nicht darin, Technologie als per se „grün“ darzustellen. Sie besteht darin, Spannungsfelder offen anzuerkennen – insbesondere im Kontext von KI – und IT gezielt zu nutzen, um im täglichen Design- und Betriebsalltag zwischen Wertschöpfung und Wirkung abzuwägen.

 
 
 

Trend #4: Nachhaltige IT by Design

Unternehmensfokus 2026

In den fortschrittlichsten Organisationen ist die IT bereits ein zentraler Partner bei der Erzeugung und dem Reporting außerfinanzieller Leistung. Unser CSR-Barometer 2025 zeigt, dass nahezu 80 Prozent der Unternehmen CSR stärker in ihre Corporate Governance integriert haben. Gleichzeitig planen mehr als 75 Prozent Investitionen in ESG-Daten-Tools. Daraus entsteht eine natürliche Brücke zwischen CSR, Finance und IT.

Im Jahr 2026 geht es darum, diese Brücke bewusst zu gestalten. Das bedeutet, Klarheit zu schaffen über Verantwortlichkeiten für ESG-Datenmodelle, über die Art der Datenerhebung und darüber, welche Systeme als Single Source of Truth dienen. In der Praxis unterstützen IT-Teams dabei, ESG-Datenflüsse zu stabilisieren, sie in bestehende Data-Governance-Strukturen einzubetten und das Reporting zu industrialisieren – anstatt jeder Funktion ihre eigene Sicht auf die Daten zu überlassen.

Je stärker sich ESG-Informationen wie Finanzdaten verhalten – mit klarer Herkunft, einheitlichen Definitionen und kontrollierten Zugriffsrechten –, desto einfacher lassen sie sich in reale Entscheidungen einbinden: bei Portfolioanalysen, in Investitionsausschüssen, bei der Auswahl von Lieferanten oder in der Produkt-Roadmap. Genau hier wird IT zum Hebel, der Nachhaltigkeit von einem reinen Kommunikationsthema zu einem wirksamen Steuerungsinstrument macht.

Es gibt konkrete technische Lösungen, um den CO₂-Fußabdruck von KI-Systemen messbar zu machen und deutlich zu reduzieren. Die gute Nachricht: Diese Maßnahmen senken zugleich die Kosten.

Marie Langé – Senior Manager, Artificial Intelligence & Data

Tech-Trend #5
Regionalisierte IT

Technologieverantwortliche stehen vor einer gemeinsamen Spannung. Globale Plattformen versprechen Konsistenz und Skaleneffekte mit einem einheitlichen Stack, der von Nordamerika über Europa bis nach APAC reicht. Gleichzeitig führen Regulierung, geopolitische Entwicklungen und branchenspezifische Vorgaben dazu, dass immer mehr Entscheidungen auf die lokale Ebene zurückverlagert werden. Anforderungen an Datenresidenz, KI-Regulierung, grundlegende Sicherheitsstandards sowie der Aufstieg lokaler Cloud- und SaaS-Anbieter beschleunigen diese Entwicklung.

Dabei handelt es sich keineswegs um eine theoretische Debatte. Europa verstärkt seine Ambitionen rund um Daten und KI. Die USA verfolgen eigene strategische Leitlinien für Infrastrukturen und Halbleiter. Andere Regionen entwickeln digitale und industrielle Agenden, die ihre jeweiligen lokalen Prioritäten widerspiegeln. Große Anbieter reagieren darauf mit regionalen Cloud-Angeboten, „Trusted“-Varianten und länderspezifischen Partnerschaften. Anstelle eines universellen Modells zeichnet sich eine schrittweise Regionalisierung der IT ab – häufig als Geopatriation bezeichnet: sensible Fähigkeiten rücken näher an den Heimatmarkt, bleiben jedoch in globale Ökosysteme eingebunden.

Für 2026 geht es weniger darum, sich grundsätzlich zwischen Public und Sovereign Cloud zu entscheiden. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie stark muss die Architektur regionalisiert sein, für welchen Geltungsbereich – und wie viel Flexibilität ist erforderlich, falls sich die Rahmenbedingungen erneut verändern?

Wenn Vendor Lock-in explizit auf der Risikolandkarte verankert ist – mit klarer Verantwortung, definierten Indikatoren und realistischen Exit-Szenarien –, hört er auf, ein rein technisches Thema zu sein. Er wird zu einer Managemententscheidung über Wettbewerbsfähigkeit.

Imène Kabouya – Digital Transformation & Digital Sovereignty

Trend #5: Regionalisierte IT

Unternehmensfokus 2026

Über Jahre hinweg lagen Entscheidungen für Technologieanbieter irgendwo zwischen Architektur, Einkauf und Vertragsverhandlung. Die Preis- und Lizenzschocks der vergangenen Jahre haben jedoch eines deutlich gemacht: Die Abhängigkeit von wenigen Anbietern verhält sich wie jedes andere wesentliche Unternehmensrisiko. Sie kann Margen unter Druck setzen und die Wettbewerbsfähigkeit schwächen, sobald sich die Rahmenbedingungen ändern.

Der erste Schritt für 2026 besteht darin, Klarheit über die tatsächlichen Abhängigkeiten zu schaffen. Welche Anbieter bündeln den Großteil Ihrer Ausgaben? Wer betreibt Ihre kritischsten Workloads oder hält die sensibelsten Daten? Und wie aufwendig wäre es, genau die Komponenten zu verlagern, die wirklich zählen? Sobald dieses Lagebild vorliegt, lässt sich Anbieterabhängigkeit auf der Risikolandkarte verankern – mit klarer Verantwortung, wenigen aussagekräftigen Indikatoren und dokumentierten Handlungsoptionen.

Auf dieser Basis können regionale Entscheidungen auch konkret mit dem Executive Team diskutiert werden. Nicht als politische Positionierung, sondern als gezielter Ansatz, um jene Assets und Fähigkeiten zu schützen, die Ihr Unternehmen differenzieren.

Tech-Trend #6
KI-fähige Infrastrukturen und Cloud-Plattformen

Die Grundlagen der Cloud sind in den meisten großen Organisationen heute etabliert. Was sich verändert, ist der Druck durch KI-Workloads: höherer Rechenbedarf, mehr Datenbewegungen, strengere Latenzanforderungen und neue Anwendungsfälle, die näher an den Ort des operativen Geschäfts rücken müssen. Viele bestehende Infrastrukturen wurden dafür nicht ausgelegt.

Gleichzeitig ziehen mehrere Kräfte in unterschiedliche Richtungen. Hyperscaler erweitern kontinuierlich ihr Angebot um neue KI-Regionen und gemanagte Plattformen. Parallel dazu erstrecken sich die eigenen Betriebsumgebungen über Fabriken, Niederlassungen und Außeneinsätze – jeweils mit spezifischen Anforderungen an Konnektivität, Datenverarbeitung und Resilienz. Das Ergebnis ist eine IT-Landschaft, die von zentralen Cloud-Regionen über On-Premises-Rechenzentren bis hin zu Edge-Standorten reicht.

Die Agenda für 2026 besteht darin, diese Landschaft „KI-fähig“ zu machen, ohne in einen Wettlauf um GPUs einzusteigen. Dafür gilt es, das Cloud-Betriebsmodell gezielt auf jene Standorte auszuweiten, die es wirklich benötigen, ausreichend Transparenz und Steuerbarkeit für eine verteilte Plattform aufzubauen und KI-Rechenleistung als knappe Ressource zu behandeln, die aktiv gemanagt werden muss – nicht als selbstverständlich verfügbare Kapazität.

Trend #6: KI-fähige Infrastrukturen und Cloud-Plattformen

Unternehmensfokus 2026

Für viele KI-Anwendungsfälle ist es nicht mehr realistisch, alles in weit entfernten Cloud-Regionen zu betreiben. Industrielle Steuerung, Qualitätsprüfungen vor Ort, intelligente Wartung oder medizinische Bildgebung erfordern geringe Latenzen und klare Regeln darüber, wo Daten verarbeitet werden. Das führt zu hybrider angelegten Architekturen, bei denen ausgewählte Cloud-Funktionen gezielt an zentrale Standorte gebracht werden, statt ausschließlich in zentralen Regionen zu verbleiben.

Die praktische Frage für 2026 lautet daher: Für welche Standorte wird ein „Mini-Cloud“-Betriebsmodell benötigt? Diese Umgebungen müssen einheitliche Standards für Identitäten, Deployments und Monitoring bieten, damit Teams nicht an jedem Standort neue Arbeitsweisen erlernen müssen. Gleichzeitig ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Szenarien für degradierte oder unterbrochene Verbindungen mitzudenken: Welche Funktionen laufen lokal weiter, wenn eine Region oder eine Backbone-Verbindung ausfällt – und wie erfolgt die saubere Wiederanbindung danach? Diese Arbeit zahlt sich doppelt aus: für KI-Anwendungsfälle ebenso wie für die gesamte Resilienz der IT.

In einer Multi-Cloud-Welt, in der selbst AWS, Azure oder Cloudflare ausfallen können, liegt die eigentliche Herausforderung darin, Infrastrukturen zu bauen, deren Resilienz jedes Risikodashboard übertrifft. Automatisierung und Observability werden dabei ebenso unverhandelbar wie Cybersicherheit.

Ronan Caron – Associate Partner, Cloud Offer Lead

Tech-Trend #7
Vorbereitung auf das Post-Quanten-Zeitalter

Quantencomputing wird im Jahr 2026 den operativen IT-Alltag noch nicht grundlegend verändern. Es übt jedoch bereits heute erheblichen Druck auf eines der fragilsten Fundamente der IT aus: die Kryptografie. Sicherheitsbehörden und Regulierungsstellen sind sich inzwischen weitgehend einig, dass gängige Public-Key-Verfahren wie RSA und ECC einem leistungsfähigen Quantencomputer nicht standhalten werden. Dieser Zeitpunkt liegt noch in der Zukunft. Ihre Daten, Verträge und Software werden dann jedoch weiterhin existieren.

Parallel dazu wird die Bedrohung konkreter. Immer mehr Akteure stehen im Verdacht, sogenannte Harvest-now-decrypt-later-Strategien zu verfolgen: Sie sammeln heute verschlüsselte Daten und Archive, um sie später mit neuen technologischen Möglichkeiten zu entschlüsseln. Große Banken, Zahlungsdienstleister und Betreiber kritischer Infrastrukturen haben bereits reagiert. Sie starten Post-Quanten-Piloten, erstellen Krypto-Inventare und richten dedizierte Budgetlinien ein.

Für CIOs und CISOs ist 2026 kein Jahr der Panik. Es ist das Jahr, um Quantencomputing nicht länger als reines Forschungsthema zu behandeln und sicherzustellen, dass ein Quantenereignis in zehn Jahren nicht zu einem Krisenprojekt in drei Jahren wird.

Post-Quanten-Kryptografie ist bereits heute das Rückgrat Ihrer defensiven Sicherheitsstrategie.
Dennoch sollten jetzt ein oder zwei reale Pilotprojekte gestartet werden, um auf das Kommende vorbereitet zu sein. Nur so lässt sich vermeiden, von der technologischen Skalierung überrascht zu werden.

Jérôme Vu Than – Associate Partner, Strategy & Transformation

Trend #7: Vorbereitung auf das Post-Quanten-Zeitalter

Unternehmensfokus 2026

Post-Quanten-Kryptografie verlässt zunehmend den Forschungsraum. Erste Algorithmen wurden ausgewählt, Anbieter beginnen, „quantensichere“ Optionen auszuliefern, und Ihre Security-Teams erhalten vermutlich bereits entsprechende Marketingbotschaften. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch nicht bei den Algorithmen. Sie liegt darin, dass Kryptografie überall verankert ist: bei TLS-Terminierung, VPNs, Authentifizierung, Software-Signierung, Zahlungsprozessen, industriellen Protokollen, vernetzten Geräten und in Produkten von Drittanbietern.

In großen Organisationen lässt sich dieses Thema nicht mit einem einzigen Programm „lösen“. Der realistische Schritt für 2026 besteht darin, Post-Quanten-Kryptografie klar auf der Roadmap zu positionieren – mit einem eindeutigen Verantwortlichen, einem definierten Zeithorizont und einem realistischen Aufwandsrahmen. Der Einstieg beginnt mit Transparenz: Wo wird Kryptografie eingesetzt? Welche Stacks stehen unter eigener Kontrolle, welche werden zugekauft? Und welche Erneuerungs- und Austauschzyklen existieren bereits? Jedes Projekt, das heute ohne diese Sicht gestartet wird, läuft Gefahr, morgen zu einem aufwendigen Migrationsproblem zu werden.

Möchten Sie diese Technologietrends in eine konkrete Roadmap für Ihre Organisation übersetzen? Unsere Teams unterstützen Sie dabei, die richtigen Prioritäten zu setzen und diese erfolgreich umzusetzen.

Dieser Artikel ist das Ergebnis einer gemeinsamen Arbeit. Bei Wavestone geben wir Leidenschaft einen zentralen Stellenwert und sind fest von der Kraft des Ideenaustauschs überzeugt. Ein herzlicher Dank gilt unseren Expertinnen und Experten, die sich die Zeit genommen haben, gemeinsam die Technologietrends von morgen zu denken und zu gestalten.

Besonderer Dank gilt Paul Barbaste, Gérôme Billois, Ronan Caron, Florian Carrière, Ghislain De Pierrefeu, Benoit Durand, Julien Floch, Matthieu Garin, Noëmie Honoré, Imène Kabouya, Marie Langé, Franck Lenormand, Marcos Lopes, Florian Pouchet, Pierre Renaldo, Frédéric Goux, Jérôme Vu Than sowie ihren Teams.