Rhätische Bahn: Nachfrageoptimierung auf einer der beliebtesten Bahnstrecken der Welt
- Daten & Künstliche Intelligenz
Die Rhätische Bahn (RhB) (öffnet sich in einem neuen Fenster), oder besser bekannt als Bernina Express, zählt zu den traditionsreichsten Schweizer Eisenbahnunternehmen und ist international bekannt für ihre touristisch hochattraktiven Strecken – insbesondere die Berninalinie. Mit der stetig wachsenden Nachfrage im touristischen Bahnverkehr sah sich die RhB zunehmend mit strukturellen und operativen Engpässen konfrontiert.
Um die Entwicklung der Nachfragespitzen auf der Berninalinie besser zu verstehen und wirksame Maßnahmen zur Entlastung zu identifizieren, unterstützte unser Projektteam die RhB mit einer detaillierten Analyse und einem strukturierten Lösungsansatz.
Herausforderung
Wachsende Nachfrage auf einer touristisch hochfrequentierten Strecke
Der Bahnverkehr entlang der Berninalinie ist für die RhB wie auch für den internationalen Tourismus in Graubünden von zentraler Bedeutung. Die Kombination aus Berufsverkehr, wachsendem Gruppentourismus, saisonalen Spitzen und Marketingaktionen führte regelmässig zu Kapazitätsengpässen insbesondere an Tagen mit über 7’500 Reisenden.
Vor diesem Hintergrund bestand die Herausforderung darin, praktikable, steuerbare und wirtschaftlich vertretbare Lösungen zu entwickeln. Im Fokus standen die Entzerrung der Nachfrage, die bessere Steuerung von Gruppenkontingenten und die Sicherstellung der Angebotsqualität. Gleichzeitig mussten strukturelle Hindernisse wie Silostrukturen, komplexe Betriebsabläufe und eine fehlende konsolidierte Datenbasis berücksichtigt werden.
Angesichts der bevorstehenden Olympischen Winterspiele 2026 war eine zukunftssichere und datengestützte Lösung besonders wichtig.
Vorgehen
Datenbasierte Analyse und bereichsübergreifende Zusammenarbeit
Zu Beginn analysierte das Projektteam systematisch die betrieblichen und organisatorischen Engpässe entlang der Berninalinie. Eine zentrale Rolle spielte dabei eine umfassende Datenanalyse im Tourismus, bei der Buchungs-, Zähl- und Produktionsdaten zusammengeführt, bereinigt und ausgewertet wurden.
Diese Analyse brachte klare Muster im Reiseverhalten, saisonale Schwankungen und spezifische Belastungschwerpunkte ans Licht. Sie diente als faktenbasierte Grundlage für die Priorisierung der relevanten Handlungsfelder.
Ergänzend fanden Workshops mit Markt, Produktion und weiteren Stakeholdern statt, in denen Ursachen, operative Wechselwirkungen und realistische Steuerungshebel identifiziert wurden. Die Kombination aus quantitativen und qualitativen Erkenntnisen schuf eine solide Grundlage für eine strategische Kapazitätsteuerung im Bahnverkehr.
Die Ergebnisse zeigen klar, wo wir ansetzen müssen, um die Berninalinie auch bei hoher Nachfrage stabil zu betreiben.
Unsere Lösung und das Ergebnis
Ein priorisiertes Massnahmenportfolio für nachhaltige Entlastung
Auf Basis der Analyse wurde ein strukturierter Vorschlagskatalog in Form eines Lösungsfächers entwickelt. Dieser umfasst kurz-, mittel- und langfristige Massnahmen und differenziert klar nach Wirkung, Machbarkeit und organisatorischem Aufwand.
Zu den erarbeiteten Massnahmen zählen unter anderem der Einsatz historischen Rollmaterials zur Kapazitätssteigerung, Zusatzzüge und Doppelführungen im RPV, die Einführung einer Sitzplatz- bzw. Zugreservationspflicht sowie eine gezielte Reduktion von Marketingaktivitäten an Spitzentagen. Ergänzt wurde dies durch Konzepte für eine verstärkte Kundenlenkung vor Ort sowie die Optimierung des Unterhalts.
Die Umsetzung des Massnahmenportfolios liegt nun bei der RhB.
Perspektiven
Grundlage für zukünftige Steuerung und Qualitätsicherung
Die RhB verfügt heute über ein strukturiertes Vorschlagsportfolio zur Entlastung der Berninalinie. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit und das systematische Vorgehen haben dazu beigetragen, ein neues Verständnis für Steuerung, Qualität und Wirkungslogiken zu etablieren.
Die erarbeiteten Vorschläge bilden eine solide Grundlage für die eigenständige Weiterentwicklung sowie für die Bewältigung zukünftiger Herausforderungen – etwa im Hinblick auf die bevorstehenden Olympischen Winterspiele 2026.