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AI Cyber Benchmark 2026: Governance macht Fortschritte, operative Sicherheit hinkt hinterher

Veröffentlicht am 14. September 2026

  • Cyber Security

Künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend zum festen Bestandteil von Arbeitsabläufen, Kundenservices und geschäftskritischen Prozessen. Längst stellt sich nicht mehr die Frage, ob Unternehmen und Organisationen KI einsetzen sollten, sondern wie sie deren Einsatz sicher skalieren und dabei Vertrauen und Kontrolle wahren können.

Unser aktueller AI Cyber Benchmark, der 30 große Organisationen aus dem öffentlichen und privaten Sektor umfasst, zeigt ein uneinheitliches Bild. Während Governance und Schutzmaßnahmen Fortschritte machen, sind die Erkennung von Sicherheitsvorfällen, die Reaktion darauf und die anschließende Wiederherstellung noch nicht ausreichend ausgereift. Da immer mehr Organisationen eigene KI-Systeme entwickeln und betreiben, lässt sich diese Lücke in der operativen Sicherheit immer schwerer ignorieren.

 
 
 
 
 

Organisationen entwickeln KI zunehmend selbst, statt sie nur zu nutzen

Organisationen übernehmen mehr Verantwortung dafür, wie KI-Systeme entwickelt und betrieben werden. Laut dem Benchmark-Panel konzipiert inzwischen die Hälfte der Organisationen KI-Systeme intern auf Basis bestehender Frameworks oder vortrainierter Modelle. 2025 waren es noch 35 %.

Gleichzeitig ist der Anteil der Organisationen, die ausschließlich vorhandene KI-Funktionalitäten nutzen, deutlich zurückgegangen. Auch die durchgängige KI-Entwicklung von A bis Z gewinnt an Bedeutung, zunehmend getragen von fortgeschrittenen Anwendungsfällen generativer KI.

Ansatz bei der KI-Einführung 2025 2026

Ausschließlich Nutzung bestehender KI-Funktionalitäten

30 %

10 %

Konzeption von KI-Systemen auf Basis bestehender Frameworks oder vortrainierter Modelle

35 %

50 %

Verantwortung für die gesamte KI-Wertschöpfungskette

35 %

40 %

Diese Entwicklung spiegelt den wachsenden Anspruch wider, externe Abhängigkeiten zu verringern und die Kontrolle über kritische KI-Fähigkeiten zu erlangen. Gleichzeitig verändert sie die sicherheitstechnische Ausgangslage: Je mehr Organisationen ihre KI-Systeme selbst verantworten, desto größer wird auch ihre Verantwortung, diese über den gesamten Lebenszyklus hinweg abzusichern.

KI-Sicherheit verbessert sich, doch die Fortschritte sind ungleichmäßig

Das Aufkommen agentischer KI, steigende regulatorische Erwartungen sowie der zunehmende Umfang von KI-Implementierungen erweitern das Spektrum der Sicherheitsherausforderungen.

Um diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen, haben wir unser Bewertungsframework aktualisiert. Neben Governance und Risikomanagement deckt es nun auch die Sicherheit agentischer KI, KI-spezifische Schutzmaßnahmen sowie Monitoring und Incident Response ab.

 

 

Gesamtreifegrad der KI-Cybersicherheit nach NIST-Funktion

Der Benchmark zeigt Fortschritte in allen bewerteten Handlungsfeldern gegenüber 2025. Governance-Strukturen etablieren sich, KI-bezogene Risiken finden Eingang in bestehende Prozesse, und dedizierte Schutzmaßnahmen begleiten den produktiven Einsatz.

Die Fähigkeiten in den Bereichen Monitoring, Analyse und Reaktion sind jedoch vergleichsweise wenig ausgereift.

Organisationen sind inzwischen besser darin, KI zu steuern, als darin, sie im Produktivbetrieb sicher zu betreiben.

Gérôme Billois, Partner, Wavestone

Mit agentischer KI steigen die Anforderungen an Identität und Zugriffskontrolle  

KI-Agenten können auf Unternehmensressourcen zugreifen, mit Anwendungen interagieren und Aktionen im Namen von Nutzern oder Diensten ausführen. Deshalb muss sich Sicherheit über Modelle und Daten hinaus auch auf die Identitäten, Berechtigungen und Werkzeuge erstrecken, die diese Workflows ermöglichen.

Obwohl 33 % der Organisationen agentische KI in ihre Governance-Frameworks integriert haben, haben lediglich 17 % den sicheren Zugriff auf KI-Funktionen und -Werkzeuge in ihre Entwicklungsstandards aufgenommen. Um die Risiken zu minimieren, müssen Organisationen delegierte Berechtigungen begrenzen, Aktionen von Agenten nachvollziehbar machen und die Aktivitäten über den gesamten Workflow hinweg überwachen.

Die Herausforderung betrifft auch die Angreiferseite: Angreifer können agentische KI nutzen, um Aufklärung, Social Engineering und groß angelegte Angriffe zu automatisieren.

Organisationen müssen nicht nur kontrollieren, was KI erzeugt, sondern auch, wozu sie berechtigt ist.

 

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KI-Sicherheit lässt sich nicht als einmalige Freigabe behandeln. Da sich Modelle, Fähigkeiten und Agentenberechtigungen weiterentwickeln, müssen Governance, Tests und Monitoring über den gesamten Lebenszyklus hinweg angepasst werden. Die Herausforderung besteht darin, von der Validierung der KI bei der Inbetriebnahme zu einer kontinuierlichen Kontrolle überzugehen.

Das Paradox der KI-Sicherheit

KI-Sicherheit wird zunehmend gemeinsam mit der Technologie konzipiert, die sie schützt, statt erst nach deren Einführung ergänzt zu werden. Cybersecurity-Teams werden zwar früher eingebunden, müssen aber Entscheidungen über Systeme treffen, deren Fähigkeiten und Risiken sich fortlaufend verändern.

Deshalb lässt sich KI-Sicherheit nicht als einmalige Freigabe behandeln. Da sich Modelle, Fähigkeiten und Agentenberechtigungen weiterentwickeln, müssen Governance, Risikobewertungen, Tests und Monitoring über den gesamten Lebenszyklus hinweg mitwachsen. Die Herausforderung besteht darin, von der Validierung der KI bei der Inbetriebnahme zu einer kontinuierlichen Kontrolle überzugehen.

Wie geht es weiter mit der KI-Sicherheit?

Drei Prioritäten werden die nächste Reifephase prägen.

Belastbarkeit schaffen, der man vertrauen kann

Resiliente KI-Systeme aufzubauen bedeutet mehr, als Verfügbarkeit sicherzustellen. Verfügbarkeit bleibt eine zentrale Anforderung, insbesondere dort, wo Organisationen von einer begrenzten Zahl an Anbietern abhängen. Nach einem Vorfall müssen Organisationen zudem überprüfen, ob Modelle, Datensätze und Wissensdatenbanken weiterhin vertrauenswürdig sind. Die Resilienzplanung sollte deshalb Kontinuitätsmaßnahmen mit der Wiederherstellung von Assets, Integritätsprüfungen und der sicheren Wiederaufnahme des Betriebs verbinden. Wo sinnvoll, kann ein Failover zwischen Modellen oder Anbietern helfen, Abhängigkeiten zu verringern und die Resilienz zu stärken.

Verantwortung für die Modellsicherheit übernehmen

Feinabgestimmte, Open-Weight- und selbst gehostete Modelle bieten mehr Flexibilität, verlagern aber auch mehr Sicherheitsverantwortung auf die Organisationen. Security-Teams müssen Modelle vor der Einführung bewerten, feinabgestimmte Versionen validieren sowie Änderungen und Abhängigkeiten über den gesamten Lebenszyklus hinweg überwachen. Diese Verantwortlichkeiten sollten Einführungsentscheidungen von Anfang an mitbestimmen, statt erst nach der Inbetriebnahme behandelt zu werden.

Autonome Aktionen kontrollieren

Da KI-Agenten Zugriff auf Unternehmenssysteme erhalten, müssen Organisationen sicherstellen, dass deren Aktionen begrenzt, nachvollziehbar und unterbrechbar sind. Jüngste Vorfälle haben gezeigt, dass schädliche autonome Aktionen kein rein theoretisches Risiko darstellen. Wirksame Kontrollen sind somit eine unmittelbare Priorität. Das bedeutet, Berechtigungen zu beschränken, auffällige Aktivitäten zu überwachen und die Fähigkeit zu wahren, den Zugriff auf kritische Systeme sofort zu entziehen. Risikobewertungen und Reaktionsverfahren sollten schädliche autonome Aktionen ausdrücklich adressieren, unabhängig davon, ob sie durch Kompromittierung, Missbrauch oder unerwartetes Verhalten entstehen.

 

Von KI-Governance zu operativer Resilienz

Der 2026 AI Cyber Benchmark zeigt spürbare Fortschritte. Organisationen etablieren Governance, integrieren KI-Risiken in bestehende Prozesse und führen Schutzmaßnahmen ein.

Als nächstes müssen diese Grundlagen im Betrieb verankert werden.

Das bedeutet, klare Verantwortlichkeiten für KI-Systeme festzulegen, deren Risiken zu bewerten, Sicherheitskontrollen zu implementieren und sie an das Security-Monitoring anzubinden sowie sie über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu testen. Darüber hinaus müssen Teams darauf vorbereitet werden, auf Vorfälle zu reagieren und den Betrieb wiederherzustellen. Agentische KI und eine stärkere Eigenverantwortung für Modelle machen diese Fähigkeiten umso dringlicher.

Der nächste Maßstab für die Reife der KI-Sicherheit wird sein, ob Organisationen im Fehlerfall Kontrolle, Vertrauen und Kontinuität wahren können.

Über den Benchmark

Der 2026 AI Cyber Benchmark basiert auf Assessments von 30 großen Organisationen aus dem öffentlichen und privaten Sektor, ergänzt um Erkenntnisse aus Wavestones KI-Sicherheitsprojekten der vergangenen drei Jahre.

Das Assessment ist entlang fünf Säulen auf Basis des NIST Cybersecurity Framework aufgebaut, die jeweils über mehr als 30 Fragen bewertet werden, um die Reife der KI-Sicherheit auf einer Skala von 0 bis 100 % zu bestimmen. Diese Ausgabe erweitert die Abdeckung um die Sicherheit agentischer KI, KI-spezifische Schutzmaßnahmen, Monitoring und Incident Response.

Die Prozentangaben beziehen sich auf die bewerteten Organisationen und sind als Erkenntnisse aus diesem Panel zu verstehen, nicht als Schätzungen für den Gesamtmarkt.

Weitere Informationen und Ergebnisses aus dem Vorjahr finden Sie im 2025 AI Cyber Benchmark.

 

Den vollständigen Benchmark herunterladen

AI Cyber Benchmark 2026

pdf · 1008KO

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