Wie ein führender US-Versicherer KI in der Softwareentwicklung skaliert
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Die Herausforderung
Über KI-Experimente hinausgehen
Der Versicherer hatte sich frühzeitig für Investitionen in KI-gestützte Entwicklungstools entschieden, hatte jedoch Schwierigkeiten, grundlegende Fragen zu beantworten:
- Wo und wann sollte KI im gesamten SDLC eingesetzt werden?
- Wie erfüllen wir nach der Auswahl der Tools die unternehmensweiten Anforderungen an Sicherheit, Compliance, Recht und Beschaffung?
- Wie messen wir Verbesserungen über den gesamten SDLC hinweg?
- Wie lassen sich diese Verbesserungen in konkrete Vorteile umwandeln?
Erfolgreiche KI-gestützte SDLC-Programme erfordern mehr als nur die Implementierung von Technologie. Sie benötigen einen Transformationsrahmen, der KI-Initiativen direkt mit Geschäftszielen und messbaren Ergebnissen verknüpft.
Der Prozess
Sechs Workstreams, die die KI-gestützte SDLC-Transformation bei einem führenden US-Versicherer beschleunigten
Wavestone arbeitete mit dem Versicherer zusammen, um sechs Workstreams zu definieren und zu starten. Die Ausgestaltung berücksichtigte das regulatorische Umfeld, das Beschaffungsmodell und die Engineering-Struktur des Unternehmens. Die Workstreams haben sich auch auf andere Großunternehmen übertragen lassen, wobei die jeweiligen Schwerpunkte je nach Organisation variieren.
Das Programm basierte auf Erkenntnissen aus der Praxis. In einem zwölfwöchigen Pilotprojekt mit mehr als 30 Teilnehmenden wurden GitHub Copilot und Amazon Q sowie MS 365 Copilot und SeaLights evaluiert. Jede Empfehlung wurde anhand der tatsächlichen Erfahrungen dieser Teams validiert.
Die sechs Workstreams
Entwicklung einer Transformations-Roadmap, die auf die geschäftlichen Prioritäten abgestimmt ist.
Anwendungsfälle wurden über den gesamten Softwareentwicklungslebenszyklus hinweg identifiziert, nach Mehrwert und Umsetzbarkeit bewertet und in einer umsetzbaren Roadmap priorisiert. Dadurch konnte sich das Management bei seinen Investitionen auf die Chancen mit dem größten Potenzial konzentrieren.
Entwicklung eines faktenbasierten Rahmens zum Nachweis des geschäftlichen Mehrwerts von KI.
Vor der Einführung wurden Produktivitäts-Baselines festgelegt und anschließend anhand von Delivery-Kennzahlen, Umfragen und Aktivitätsdaten gemessen. So konnten die Vorteile quantifiziert werden, anstatt lediglich auf Annahmen zu beruhen.
Schaffung von Transparenz und Managementkontrolle während der gesamten Transformation.
Regelmäßiges Reporting, die Nachverfolgung von Business Cases und Eskalationsmechanismen halfen dem Management, die Akzeptanz zu überwachen, Risiken zu steuern und Entscheidungen zu beschleunigen.
Bewertung von KI-Lösungen anhand von Anforderungen in den Bereichen Sicherheit, Compliance, Recht, Beschaffung und Betrieb.
Zu den bewerteten KI-Lösungen gehörten GitHub Copilot, Amazon Q, MS 365 Copilot und SeaLights. Die Erkenntnisse wurden in Empfehlungen zur Implementierungsbereitschaft überführt. Daraus entstanden fundiertere Tool-Bewertungen, vergleichende Analysen, Adoption-Dashboards und Readiness-Empfehlungen.
Förderung einer nachhaltigen Einführung neuer Arbeitsweisen.
Mehr als 100 Mitarbeitende wurden geschult. Zudem wurden 20 Wissenstransfer-Sessions mit mehr als zehn internen Stakeholdern durchgeführt und Wissen zu 30 Deliverables übergeben. Dadurch war der Versicherer in der Lage, die Initiative nach Abschluss des Projekts eigenständig zu skalieren.
Unterstützung der Delivery-Teams während der Implementierung.
Wavestone arbeitete zwölf Wochen lang mit den Pilotteams zusammen, sammelte kontinuierlich Feedback und überführte erfolgreiche Ansätze in wiederverwendbare Vorlagen und Business Cases. Daraus entstanden Pilot-Frameworks, Use-Case-Vorlagen, Feedbackschleifen und Business Cases für den Rollout.
Wo KI im Arbeitsalltag eingesetzt wurde
Die wichtigsten Anwendungsfälle in den Entwicklungsteams umfassten Codegenerierung, Generierung von Unit-Tests, Refactoring, Performance-Optimierung, Debugging, Codeverständnis und Dokumentation. Der Mehrwert entstand aus der Kombination dieser Möglichkeiten und nicht aus einer einzelnen Funktion.
Die Ergebnisse
Von Produktivitätssteigerungen zu Geschäftsergebnissen
Für diesen Versicherer lagen die größten Wertschöpfungspotenziale in vier Phasen: Planung, Anforderungsmanagement, Entwicklung und Testing. Das Programm konzentrierte sich daher auf diese Bereiche, anstatt den gesamten Lebenszyklus auf einmal zu transformieren. Wavestone hat eine ähnliche Konzentration auch in anderen großen Engineering-Organisationen beobachtet, wobei die konkrete Verteilung vom Reifegrad der eingesetzten Tools und den jeweiligen Engpässen im Delivery-Prozess abhängt.
Produktivität war jedoch nur der Ausgangspunkt. Der Versicherer realisierte die erzielten Vorteile über zwei Wege.
Weg 1: Wettbewerbsvorteile durch operative Hebelwirkung
KI ermöglichte es dem Versicherer, mit seinen bestehenden internen Teams mehr zu erreichen:
- Durchschnittlich rund 30 % Zeitersparnis pro Entwickler
- Erster messbarer Mehrwert nach etwa 4 Arbeitstagen des Experimentierens, wodurch Bedenken hinsichtlich der Time-to-Value frühzeitig ausgeräumt wurden
- Mehr als 80 qualifizierte geschäftliche Anwendungsfälle identifiziert
- Mehr als 100 Mitarbeitende geschult, mit einer positiven Entwicklung der Akzeptanz, gemessen anhand des Net Promoter Score
Anstatt den Personalbestand zu reduzieren, verlagerte der Versicherer Kapazitäten auf die Modernisierung der Architektur, den Abbau technischer Schulden, Innovationsinitiativen, die Lösung komplexer Probleme und eine schnellere Produktbereitstellung.
Weg 2: Kostenoptimierung durch geringere Delivery-Kosten
KI eröffnete zudem Möglichkeiten zur Optimierung externer Delivery-Ausgaben:
- Geschätzte Kostenvermeidung von 3–5 Mio. US-Dollar bei ausgewählten zukünftigen Initiativen
- Neue Potenziale für Einsparungen von 10–30 % bei der Verlängerung von IT-Serviceverträgen
- Frühzeitige Einbindung von Managed-Service-Providern, um Erkenntnisse und Erfahrungen ihrer Teams direkt einfließen zu lassen
Mit zunehmender Reife der Produktivitätsverbesserungen gestaltete der Versicherer seine Beziehungen zu Dienstleistern neu, unter anderem durch die Neufestlegung von Vertragsgrundlagen, Scope-Optimierung, Gain-Sharing-Modelle und eine höhere Delivery-Effizienz. Das Ergebnis sind messbare finanzielle Effekte, die sich auf die operative Marge auswirken, sowie eine stärkere Ausrichtung auf ergebnisbasierte statt kapazitätsbasierte Delivery-Modelle.
Was dies für andere Unternehmen bedeutet
Die Einführung von KI-Coding-Assistenten war nur der Ausgangspunkt. Entscheidend ist der Aufbau eines strukturierten Transformationsprogramms, das die Planung, Entwicklung, das Testing und die Bereitstellung von Software systematisch verbessert.
Planung, Anforderungsmanagement, Entwicklung und Testing sind zugleich die Phasen, in die agentische Tools bereits vordringen. Das verändert die Faktoren, die den Mehrwert bestimmen. Nicht mehr die Geschwindigkeit einzelner Entwickler steht im Mittelpunkt, sondern die Orchestrierung: wie Aufgaben auf verschiedene Agents verteilt werden, wie Ergebnisse überprüft werden, bevor sie die Produktionsumgebung erreichen, und an welchen Stellen menschliches Urteilsvermögen weiterhin eingebunden bleibt. Damit wird die Review-Kapazität zum Engpass und nicht mehr die Erstellungskapazität.
Wenn KI-Systeme mehrstufige Aufgaben mit weniger menschlicher Kontrolle ausführen, profitieren vor allem Unternehmen, die bereits wissen, wie sie Ergebnisse messen, die Einführung steuern, die Token-Kosten beim skalierbaren Betrieb von Agents kontrollieren und die Akzeptanz in großen Engineering-Organisationen fördern. Werden diese Kosten nicht aktiv gesteuert, können sie die Einsparungen aufzehren, die das Programm eigentlich erzielen sollte. Die Fähigkeiten, die für assistive Tools aufgebaut wurden, bilden die Grundlage dafür, agentische Tools sicher zu skalieren. Unternehmen, die sich noch in der Pilotphase befinden, könnten dadurch bereits ins Hintertreffen geraten, bevor dieser Wandel vollständig einsetzt.
Jede neue KI-Welle in der Softwareentwicklung verschiebt den Engpass an eine andere Stelle. Die nächste Verlagerung geht in Richtung Spezifikation und Verifikation. Im Vorteil sind die Unternehmen, die frühzeitig erkennen, wohin sich der Engpass verlagert hat, und ihre Organisation als Erste darauf ausrichten.
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